Mehl-Primel
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Die Mehl-Primel hat eine Geschichte als Heilpflanze. Ihre Wurzel soll früher das Bergsteigen erleichtert haben.

Mehl-Primel

(Primula farinosa)
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Die Mehl-Primel hat eine Geschichte als Heilpflanze. Ihre Wurzel soll früher das Bergsteigen erleichtert haben.

Die Mehl-Primel ist nicht nur eine hübsch anzusehende Pflanze mit raffinierten Abwehrmechanismen. Sie besitzt auch eine interessante Nutzungsgeschichte, die sich zu erzählen lohnt…

Die Mehl-Primel (Primula farinosa) blüht erst von Mai bis Juni und dadurch deutlich später als andere Primelarten. Mit ihren rosa-violetten Blüten wird sie ungefähr 5-20 cm hoch und ist bei Tagfaltern wegen ihres Nektars beliebt. Die Unterseite ihrer länglichen Blätter ist dicht mehlig bestäubt, was was ihren Namen erklären könnte. Zu ihren typischen Lebensräumen gehören feuchte bis nasse Flachmoore, also vom Grundwasser gespeiste, nährstoffreiche Moore und alpine Rasen. Du findest sie hierzulande vor allem im Süden Bayerns und Baden-Württembergs. Weltweit ist die Mehl-Primel in den alpinen Gebieten Europas und in Skandinavien verbreitet.

Mehl-Primel
Verbreitungskarte
Mehl-Primel

evtl. erhöhte Verantwortlichkeit zu vermuten

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Die Samen werden vom Wind ausgebreitet

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feuchte bis nasse Quell- und Flachmoore, alpine Steinrasen

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blüht von Mai bis Juni

Artenportrait (PDF)

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Verschiedene Primelarten besitzen eine lange Nutzungsgeschichte in der Heilkunde und gehören auch heute noch zu den eher gängigen Heilpflanzen. Die Wiesen-Primel (Primula veris) und die Hohe Primel (Primula elatior) wirken aufgrund ihrer Inhaltsstoffe (Saponine, Flavonoide und Ätherischen Öle) schleimlösend und entzündungshemmend. Darum eignen sie sich für den Einsatz gegen Beschwerden im Bereich der Atemwege und werden zum Teil bei chronischer Bronchitis und als Bestandteil von Hustensäften eingesetzt. Dafür werden je nach Art und erhoffter Wirkung die Blüten, Wurzeln und Blätter verwendet.

Aber Vorsicht: Primeln sind gegenüber Fraßfeinden nicht wehrlos. Sie enthalten Stoffe wie Saponine oder Primin, die sie vor Pilzbefall oder Mikroorganismen schützen. Menschen, die empfindlich auf Primin reagieren, können bei Hautkontakt mit bestimmten Primelarten Hautausschläge (Primeldermatitis) bekommen. Es ist also besser, wenn du dich erst informierst, ob es sich bei dem Exemplar vor dir wirklich um eine Heilpflanze handelt. Außerdem sind viele Primeln gesetzlich geschützt, weswegen du sowieso lieber auf ungefährdete Pflanzenarten zurückgreifen solltest.

Auch die Mehl-Primel hat eine wenn auch weniger bekannte Geschichte als Heilpflanze. Passend zu ihrem alpinen Standort wurde die Wurzel der Mehl-Primel früher verwendet, um das Bergsteigen zu erleichtern. Wie, ist leider nicht bekannt. Ob ihr schöner Anblick genügt, um dein nächstes Ziel bei deiner Alpenwanderung zu erklimmen, kannst du ja für uns in Erfahrung bringen.

Die Art ist in Deutschland gesetzlich geschützt und gilt als gefährdet. Der Grad der Verantwortlichkeit Deutschlands für die Mehl-Primel ist allerdings nicht eindeutig. Hier fehlen Daten, die eine klare Einstufung in eine bestimmte Kategorie ermöglichen. Allerdings sind die Lebensräume der Primel durch Anreicherung von Nährstoffen, Umwandlungen von Flächen und landwirtschaftliche Praktiken des Menschen bedroht – was auch Konsequenzen für ihre Bestände haben kann. Deswegen kann man davon ausgehen, dass eine Notwendigkeit für besondere Fürsorge für die Mehl-Primel besteht.

Quellenangaben

Bild oben Die Mehl-Primel hat eine Geschichte als Heilpflanze. Ihre Wurzel soll früher das Bergsteigen erleichtert haben (Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin, E. Zippel).
Bild 1 Die Wuchsform der Mehl-Primel erinnert an die der Hohen Schlüsselblume, ihrer Schwesterart (Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin, E. Zippel).
Bild 2 Die Mehl-Primel kommt in unterscheidlichen Lebensräumen vor (Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin, E. Zippel).
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