Klein aber Oho! Das Violette Galmei-Stiefmütterchen ist robuster als es aussieht und ist in seinem speziellen Lebensraum ein echter Überlebenskünstler.
Klein aber Oho! Das Violette Galmei-Stiefmütterchen ist robuster als es aussieht und ist in seinem speziellen Lebensraum ein echter Überlebenskünstler.
Stiefmütterchen kennt fast jeder - doch das Violette Galmei-Stiefmütterchen ist eine Ausnahmeerscheinung. Unter den Stiefmütterchen ist die Pflanze ein echtes botanisches Phänomen und kommt weltweit nur äußerst selten vor. Der Grund liegt - wie so oft - in seinen „inneren Werten“: Das violette Galmei-Stiefmütterchen ist an einen Standort angepasst, der für die meisten Lebewesen tödlich wäre…
Je nach Wohnort musst du schon eine kleine bis mittelgroße Reise unternehmen, um das Violette Galmei-Stiefmütterchen (Viola guestphalica) zu sehen, denn es ist eine wahre Seltenheit. Es kommt weltweit natürlicherweise nur an einem einzigen Standort vor: auf 12 ha in der Nähe von Paderborn in Nordrhein-Westfalen. Von hier hat die Art auch ihren Namen (guestphalica = Westfalen). Der Grund für diese Seltenheit ist der besondere Lebensraum, an den diese Art angepasst ist. Es handelt sich um einen Schwermetallrasen, der auf einer früheren Zinkmine wächst. Damit ist der Boden, auf dem das Violette Galmei-Stiefmütterchen wächst, schwermetallbelastet, und nur wenige Pflanzenarten können hier wachsen.
besonders hohe Verantwortlichkeit
wird durch sich selbst oder durch Tiere ausgebreitet
kommt auf Schwermetallrasen vor
blüht von Mai bis Oktober
Ähnlich wie wir Menschen brauchen Pflanzen bestimmte Nährstoffe – und das in den richtigen Mengen. Zink
ist zum Beispiel ein sogenannter Mikronährstoff, den Pflanzen in geringen Mengen benötigen. Enthält der
Boden darüber hinaus aber mehr Zink als gewöhnlich, wird das Metall für die Pflanze zu einem Stressfaktor und führt normalerweise dazu, dass bestimmte Stoffwechselprozesse nicht mehr wie gewohnt ablaufen können. Eine hohe Zinkkonzentration im Boden wirkt sich beispielsweise negativ auf den Fotosynthese-Apparat aus. Klein aber Oho! Das Violette Galmei-Stiefmütterchen ist robuster als es aussieht und ist in
seinem speziellen Lebensraum ein echter Überlebenskünstler.
Die Zusammensetzung des Bodens ist deshalb sehr entscheidend für das Überleben einer Pflanze – enthält er zu wenig der benötigten Nährstoffe, tritt Mangel auf; enthält er zu viele, stellt dies ebenfalls eine Belastung dar.
Während die Mengen an Zink und Blei auf dem Schwermetallrasen für die meisten Pflanzen toxisch sind, kann das Violette Galmei-Stiefmütterchen hier überleben. Das macht das Stiefmütterchen zu einer kleinen Besonderheit. Der Grund dafür ist wahrscheinlich unter anderem eine Symbiose mit einem Pilz (Mykorrhiza), dessen Stoffwechsel mit den Schwermetallen umgehen und sie für die Pflanze neutralisieren kann. Diese besondere Lebensweise macht es möglich, sich auf die speziellen Eigenschaften eines normalerweise schädlichen Lebensraums einzustellen.
Das Violette Galmei-Stiefmütterchen ist also allein schon durch seine Seltenheit eine Art, für die wir in Deutschland in hohem Maße verantwortlich sind. Aber nicht nur sein Status als Verantwortungsart macht es zu etwas Besonderem. Es ist sehr hübsch und zeigt in Bezug auf seinen Stoffwechsel oder seine Lebensweise mit einem schwermetallverträglichen Pilz kuriose Besonderheiten.
Das Veilchen sollte also unbedingt erhalten bleiben. Diese Ansicht teilen auch die Botanischen Gärten in Münster und Osnabrück, die die Art in Saatgutbänken und sogenannten Erhaltungskulturen sichern. Das Galmei-Stiefmütterchen ist besonders auf seine Region als Lebensraum angewiesen, umgekehrt ist die Region besonders stolz auf die seltene Pflanze. Aus diesem Grund ziert das Violette Galmei-Stiefmütterchen das Logo des Botanischen Gartens der Universität Münster.