Zweigriffeliger Weißdorn
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Die zwei Griffel in der Mitte der Blüte geben der Art ihren deutschen Namen.

Zweigriffeliger Weißdorn

(Crataegus laevigata)
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Die zwei Griffel in der Mitte der Blüte geben der Art ihren deutschen Namen.

Kennst du eine Wildpflanze, die im Frühsommer weiße Blüten hat, im Herbst dann leuchtend rote Früchte trägt und die mit Sprossdornen bewehrt ist? Die Rede ist vom Weißdorn, einem Rosengewächs, das weltweit mit etwa 200 Arten vertreten ist. Unser Weißdorn, also der Zweigriffelige, kommt fast ausschließlich in Europa vor und hat in Deutschland sein Hauptverbreitungsgebiet. Daher tragen wir für diese Art eine besondere Verantwortung.

Es gibt aber ein kleines Problem: Auf den ersten Blick sieht der Zweigriffelige Weißdorn dem Eingriffeligen Weißdorn (Crataegus monogyna) zum Verwechseln ähnlich. Unterscheiden kann man beide Arten an der Anzahl der Griffel in der Blüte und an dem Grad der Einbuchtung der Blätter. Allerdings können beide Arten hybridisieren, das heißt, dass sich zwei nahe verwandte Arten kreuzen. So kann es zu einer Vermischung der Merkmale kommen, was die Bestimmung des Weißdorns erschwert.

Zweigriffeliger Weißdorn
Verbreitungskarte
Zweigriffeliger Weißdorn
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hohe Verantwortlichkeit

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blüht im Mai

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wird durch Tiere ausgebreitet, die seine Früchte fressen

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wird vor allem von Fliegen und Käfern bestäubt

Steckbrief (PDF)

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Der Zweigriffelige Weißdorn kann bis zu 500 Jahre alt werden und wächst zu Sträuchern oder kleinen Bäumen heran. Er ist im Wald oder an Waldrändern, in Gebüschen oder Hecken zu finden und bevorzugt leicht basische Böden. Mensch und Tier profitieren auf vielfältige Weise von der Pflanze. Die ökologische Bedeutung für die Tierwelt, besonders für Vögel und Insekten, ist enorm. Auch sehr seltene und vom Aussterben bedrohte Arten sind vom Zweigriffeligen Weißdorn abhängig. Schmetterlinge wie der seltene Birkenzipfelfalter (Thecla betulae) brauchen den Weißdorn als Nahrungsquelle und Lebensraum. Viele Singvögel fressen nicht nur die Früchte, sondern finden hier auch geschützte Nistplätze, da die spitzen Dornen an den Ästen ihre Feinde abhalten.

Auch wir Menschen essen die Früchte und verarbeiten sie zu Mus, Gelee oder anderen Produkten. Die mehlige Frucht schmeckt süß-säuerlich und wird nicht nur als Genussmittel verzehrt. Die Früchte werden ebenso wie die Blüten und die Blätter des Weißdorns auch heute noch in der Naturheilkunde und der Schulmedizin eingesetzt. Die darin enthaltenen Substanzen (Flavonoide) haben eine herz- und kreislaufstärkende Wirkung. Auszüge des Weißdorns steigern die Kontraktionsfähigkeit des Herzmuskels und erweitern die Gefäße. In Notzeiten wurden die Früchte sogar als Mehlzusatz, und die gerösteten Samen als Kaffeeersatz verwendet. Das Holz des Weißdorns ist sehr hart, weswegen es kaum Verwendung findet. Als Zierpflanzen sind Weißdornarten jedoch sehr beliebt.

Im Projekt WIPs-De untersuchen wir die Keimungsbiologie dieses Wildstrauchs. Die hat es in sich: Um den Zweigriffeligen Weißdorn überhaupt zur Keimung zu bringen, müssen die Samen zunächst verletzt und dann die Samenschale aufgebrochen werden. Danach müssen sie für zwölf Wochen in den Kühlschrank. So wird der Winter nachgeahmt, man nennt das Stratifizierung. Nach weiteren vier Wochen bei Zimmertemperatur keimen sie dann hoffentlich. Diese komplizierten Abläufe hat das WIPs-Team in Regensburg nach vielen Testreihen herausgefunden. Es müssen also ganz schön viele Dinge zusammenkommen, damit diese Pflanzenart überhaupt keimen kann.

Quellenangaben

Bild oben: In der Mitte der Blüte kann man die zwei Griffel erkennen, die der Pflanze ihren deutschen Namen geben (Botanischer Garten der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, F. Hahn)
Bild 1: Die Frucht des Weißdorns leuchtet im Spätsommerlicht und lockt Nahrungsgäste an (Botanischer Garten der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, F. Hahn).
Bild 2: Bis zur Keimung hat der Same des Zweigriffeligen Weißdorns einen weiten Weg (Universität Regensburg, Lehrstuhl für Ökologie und Naturschutzbiologie, J. Lang).
Bild 3: Die Blüten sehen denen des Eingriffeligen Weißdorns zum Verwechseln ähnlich (Botanischer Garten der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, F. Hahn).
Bild 4: Dornen an den Ästen dienen der Abwehr, darüber freuen sich viele Vögel, die dort geschützt nisten (Botanischer Garten der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, F. Hahn).
Bartha, D. (2014): Crataegus laevigata. In: Schütt P. & Roloff A. (Hrsg.): Enzyklopädie der Holzgewächse: Handbuch der Dendrologie. Wiley VCH. Weinheim.
Bäumler, S. (2007): Heilpflanzenpraxis heute – Porträts, Rezepturen, Anwendung. Elsevier GmbH, München.
Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.) - Floraweb: Daten und Informationen zu Wildpflanzen und zur Vegetation Deutschlands. URL: http://www.floraweb.de/. Zugriff im Februar 2020.
BUND Landesverband Schleswig Holstein (2013): Steckbrief: Weissdorn. URL: https://www.bund-sh.de/publikationen/detail/publication/steckbrief-weissdorn/. Zugriff im Mai 2020
Düll R. & Kutzelnigg H. (2011): Taschenatlas der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Portrait. 7., korrigierte Auflage. Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim.
Jäger E. J. (2011): Rothmaler Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. 20. Auflage. Spektrum Heidelberg, Berlin.